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Kreatives Kochen | Pseudo Shushi

Wir schauen häufig Filme aus Korea, Japan und China und jedes Mal sieht das Essen so lecker aus. Nach dem wir den Film Samaria von Kim Ki-duk gesehen hatten, fragte meine Frau ob ich nicht mal Sushi machen könnte. Das sähe ja auch ganz nett aus. Zudem könne man es auch kalt Essen.

Naja, mit rohem Fisch hab ich es nicht so, auch wenn ich hier in Norddeutschland lebe, aber kreativ Kochen ist kein Problem für mich. Also überlegte ich kurz und entschied mich den Fisch mit Gemüse zu substituieren.

Ich besorgte ein paar Nori – Seetang-Ersatz - Blätter aus dem »Was kost die Welt« Supermarkt für krasse 4 Euronen für 7 Blätter / 18 Gramm Seetang. Immerhin wird das aus Zeug aus Korea importiert. Über die Umweltbilanz möchte ich gar nicht nachdenken - Seetang zu sammeln, zu trocknen, zu präparieren, eintüten in Plastik nach Deutschland schiffen, zum Supermarkt karren ... 


*getrockneter Touristen Seetangersatz*

Pilze, Möhren, Frühingszwiebeln, Apfel und Paprika, schnitt ich in Streifen und es sei jetzt schon gesagt, Apfel macht sich hervorragend in der Kombination.

Doch zuerst besorgte ich mir eine Anleitung aus dem Internet, wie man Sushi Reis zubereitet. Ehrlich, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so kompliziert Reis zu Matsch gekocht. Im Nachhinein denke ich mir, das hätte ich auch einfacher haben können.

Sushi Reis ala Raketenwissenschaft

Den Reis 7 Mal waschen. In einem weiten Gefäß 20 Minuten in Wasser quellen lassen. Danach kurz aufkochen und bei geringer Wärmezufuhr weitere 15-20 Minuten Quellen lassen. Anschließend mehrere Haushaltstücher zwischen Topf und Deckel legen und weitere 20 Minuten warm halten.

Danach kann man mit dem Reis, Tatamis zu Hochhäuser zusammenkleben.

Wenn der Reis vorbereitet ist, wird eine Mischung aus Essig, Zucker und Salz kurz erwärmt, bis Zucker und Salz gelöst sind und mit einem Messer in den Reis eingeträufelt. Dabei soll man mir dem Messer durch den Reis schneiden, denn Rühren ist mit dem Reis in dem Zustand nicht mehr möglich.

Während der Reis zu Klump wurde, hatte ich das Gemüse in Kokosfett gedünstet, teils auch leicht angebraten und mit Gewürzen verfeinert die wir gerne mögen. Ich ließ das Gemüse erst abtropfen und anschließend auf einem Haushaltstuch abkühlen.

Beides wurde etwa gleichzeitig fertig und so widmete ich mich der Anleitung für die Nori Blätter. Das ist so was wie Seetang – jedoch nicht frisch, sondern wie Esspapier getrocknet und gepresst. In trockenem Zustand sieht es aus wie Farb-Filter für PAR Lichtanlagen - wie man sie aus der Disko kennt.

Mit Verwunderung las ich einen Warnhinweis auf der Verpackung:


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Achtung Jodreiches Lebensmittel. Maximal 1-2 Blätter am Tag verzehren. Eine übermäßige Jodaufnahme kann im Einzelfall zu Störungen der Schilddrüsenfunktion führen.

 

Na prächtig. Und was mach ich jetzt mit all dem Reis? Das war jetzt echt nicht so Vertrauen erweckend, als dass ich mich daran satt essen mochte.

Dazu noch dieses Päckchen Silica Gel – das man sonst nur in Schuhen findet. Vielleicht werden die sogar wiederverwendet. Handtasche – Schuhe – Noriblätter? Ich schüttelte den Gedanken ab und wo ich nun einmal dabei war, von einem Sushi ist noch niemand gestorben. Ausser die mit dem Kugelfisch, den Allergien, jene die sich verschluckt hatten … egal.


Würzmischung für Androiden.

Das Noriblatt legte ich auf eine Bambusmatte, verteilte ein wenig von dem Reismatsch darauf und legte Gemüse hinein. Dann versuchte ich das ganze zusammen zu rollen. Schnell merkte ich, dass ich zuviel Reis auf dem Nori Blatt hatte. Leider ließ sich der Reis kaum runterkratzen, das Zeug klebte wie Sekundenkleber. Auch an den Händen. An der Bambusmatte, am Messer, Löffel, Spültuch, Geschirrtuch, Spüle, Amatur, … ruckzuck klebte in der ganzen Küche dieser bekloppte Sushi Reis. Derweil hatten die Noriblätter das letzte bisschen Flüssigkeit des Reis noch absorbieren können, was den Reis noch klebriger und die Noriblätter zum Stinken brachte. Ich hab keine Ahnung wie frischer Seetang riecht, das Zeug jedoch war nicht Appetit anregend. Es wäre keinesfalls logisch, frischen Fisch in so einen stinkenden Lappen einzuwickeln.

Nase zu und durch. Ich hegte die Hoffnung, der Geruch würde sich verflüchtigen. Ich schaltete die Entlüftungsanlage an, kratzte so gut es ging noch etwas Reis runter und rollte das Gemüse-Sushi auf der Bambusmatte zu einer Walze. Fertig.


Sieht aus und schmeckt wie Gummiknüppel.

Das Quasi-Sushi Ding war elastisch wie Gummi, sah aus wie Gummi, roch wie altes Gummiboot und schmeckte schlimmer als Gummireifen. Meine Empfehlung – wenn ihr euren Erzfeind eins auswischen wollt, legt ihm ein paar Pseudo Nori Blätter, vor die Haustür - unter die Fußmatte. Nach dem nächsten Regen oder Morgentau, wird es sämtliche Katzen und Kater im Umkreis von Kilometern zu wahren Urinier-Orgien anregen.

Jetzt blieben noch 2 Probleme übrig. Erstens ich hatte Hunger und mochte das Ding nicht essen. Zweitens ich hatte viel zu viel Reis und Gemüse für ein einziges popeliges Nori Blatt, bei dem die Gefahr bestand sich die Schilddrüsen zu verstopfen.

Die Pfanne und Fett waren noch warm, also befeuerte ich kurz noch mal den Herd, befeuchtete schnell noch ein paar Reisblätter und wickelte Reis und Gemüse dort hinein. Ab in die Pfanne und ruckzuck waren sehr leckere Frühlingsrollen fertig. Und die dufteten auch richtig gut. Auch der »Quasi Sushi Reis« mit Himbeeressig, Zucker und Salz schmeckte herrlich in der Frühlingsrolle.


Die !Spätrechtskante

Dagegen hat das Sushi echt voll abgestunken ;)

Mit geschmackvollen Grüßen,
yt